Drehbericht - Die Holzfäller von British Columbia
Projekt | Dokumentation | RED ONE
Zu sehen auf ARTE am 18.10.2009 um 18:05
Calgary in der kanadischen Provinz Alberta empfängt unser Team nach 15stündiger Anreise aus Deutschland reichlich unterkühlt. Es ist Mitte März und das Thermometer zeigt zwei Grad unter Null an, zwanzig Grad weniger als bei unserer Abreise in Deutschland. Leichter Schneefall unterstreicht den winterlichen Eindruck, den die kanadische Stadt in der Nähe der Rocky Mountains mitten im Frühling erweckt – keine guten Voraussetzungen für einen langen Dreh in den Bergen. Wir machen uns Sorgen um unsere Ausrüstung. Die Elektronik der komplizierten Technik reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit und Minusgrade. Das gilt insbesondere für die digitale RED ONE 35mm Kinokamera, die sich in unserem Gepäck befindet und mit der wir die Holzfäller von British Columbia bei ihrer Arbeit in den Urwäldern begleiten wollen.
Doch unsere Sorgen sind schnell vergessen. Auf der 450 Kilometer langen Reise von Calgary nach Revelstoke bekommen wir einen ersten Eindruck von der atemberaubenden Landschaft, die uns an unseren Drehorten erwarten sollte. Majestätisch ragen die schroffen Felsformationen der Rockys in den Himmel, dichte Wälder ziehen sich die Bergrücken hinauf und die schneebedeckten Gipfel berühren die Wolken. Nach 6 Stunden Fahrt auf den kanadischen Highways erreichen wir spätabends tief beeindruckt aber sehr erschöpft das 7500-Seelen-Städchen mitten in den Bergen British Columbias.
Der nächste Morgen wartet mit einer Überraschung auf. Über Nacht hat der Sommer in den Rocky Mountains Einzug gehalten. Die Sonne strahlt von einem makellos blauen Himmel und die Temperaturen erreichen 24 Grad, nichts erinnert mehr an die Minusgrade des vorangegangenen Tags. Das sei typisch für diese Gegend, erzählen uns die Einheimischen. Es gibt in Revelstoke nur zwei Jahreszeiten: Winter und Sommer. Und die gehen nahtlos ineinander über. Wir sind jedenfalls froh, nicht in der feuchten Kälte drehen zu müssen. Doch die Freude über den plötzlichen Sommer schwindet schnell, denn in den nächsten Tagen steigen die Temperaturen in der Gegend bis auf 32 Grad an.
Bei dieser Hitze kämpfen wir uns mit der fast 100 Kilogramm schweren Filmausrüstung durch dichte Urwälder zu unseren Drehorten, klettern dabei über umgestürzte Bäume, überqueren reißende Creeks und erklimmen bis zu 45 Grad steile Hänge. Straßen oder Wege gibt es nicht, nur eine extrem staubige Schotterpiste, die rund einen Kilometer unterhalb der Einschlaggebiete mitten im Urwald endet. Von dort aus geht es nur noch zu Fuß weiter. Als Lohn für unsere abenteuerlichen Klettertouren in den Rockys ernten wir nicht nur die Annerkennung der Holzfäller, sondern erhalten auch einzigartige Bilder von den Einschlaggebieten in den Bergen. Noch nie zuvor hat ein Kamerateam die westkanadischen Holzfäller in den Rocky Mountains so nah bei ihrer Arbeit begleitet.
Darunter leidet jedoch unsere Ausrüstung. Das Sägemehl der gefällten Zedern und der feine Staub der Schotterpiste dringen in jede noch so kleine Ritze. Wir müssen improvisieren, kleben nicht benötigte Anschlüsse an der Kamera und an dem Ton-Equipment mit grünem Klebeband ab. Das sieht zwar nicht schön aus, aber es hilft zumindest ein wenig. Trotzdem verbringt unser Kameraassistent jeden Abend gut eine Stunde damit, die Ausrüstung vom Staub des Drehtages zu befreien.
In der 7500-Seelen-Gemeinde spricht sich schnell herum, dass ein Kamerateam aus Europa in der Stadt ist. Schon bald kennt uns jeder. Die Menschen in Revelstoke sind sogar ein wenig stolz, dass ihre Gegend bald in Good Old Germany im Fernsehen zu sehen sein wird. Sie begegnen uns über die ganze Zeit warmherzig und offen. Am Ende unserer Dreharbeiten haben wir jedenfalls das Gefühl, gute Freunde zu verlassen. Wir machen uns zurück auf den Weg durch die Rocky Mountains nach Calgary, genießen ein letztes Mal die Schönheit der Landschaft.
Calgary verabschiedet uns aus Kanada beinahe ebenso so kühl wie es uns empfangen hat. Als wir Ende der ersten Juniwoche in den Flieger nach Deutschland steigen, zeigt das Thermometer gerade einmal 1 Grad an. Das ist sogar für die Stadt in Alberta ein negativer Rekord zu dieser Jahreszeit.
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